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  Fakten

Der Ausstoß dieser Mengen pro Jahr liegt zur Genehmigung vor:

Arsen   10 kg
Blei  108 kg
Quecksilber  13 kg
Dioxin  43 mg
Cadmium  10 kg
Schwefeloxide  21656 kg
Thallium  10 kg
Staub  4331 kg
Nickel  21 kg
Chrom  10 kg

So wirken Gefahrstoffe auf Körper und Umwelt

Quecksilber
verursacht z. B. unter anderem Unruhe, Nervosität, Lernstörungen, Sprachstörungen und Geschwüre.

Dioxin (PCCD/F)
bekannt als »Sevesogift« entsteht bei der Verbrennung von Hölzern, die mit bestimmten Holzschutzmitteln behandelt wurden. Halbwertszeit 160 Jahre im Erdreich. Förderung von Krebs, Leberschädigung, Immunsystemschädigung, Allergien. Dioxine gelangen hauptsächlich durch die Nahrungskette in den menschlichen und tierischen Organismus.

Schwefeloxide (Reizgas)
Einatmung von geringen Mengen löst Lungenspasmen aus
(Asthma, chronische Bronchitis). Mitverursacher des Baumsterbens

Wichtige Fakten im Überblick:

  1. Die Offenlegung des Genehmigungsantrages für die Bürger lag in der Sommerurlaubszeit. Zufall oder Strategie?

  2. Die umliegenden Gemeinden sind über den Planstand gar nicht oder sehr schlecht informiert.

  3. Die Bürger aller betroffenen Gemeinden sind aus diesem Grund ebenfalls gar nicht oder nur sehr schlecht informiert. Deshalb bleibt nur noch wenig Zeit zur Informationeinholung und ggf. zum Einspruch (27. August).

  4. Derzeit wird der im Klärwerk Thanners anfallende Klärschlamm in der Nähe von Leipzig entsorgt. Er dient dort zur Renaturierung von aufgelassenen Braunkohletagebauten. In der Vorhabensdarstellung wurde angegeben, dass hierzu  keine Alternativen vorlägen. Das ist falsch: Es gibt Alternativen. Doch sie werden gar nicht oder nur halbherzig untersucht. Die Aktionsgemeinschaft Gesunde Umwelt Illerland e. V. zeigt gerne andere Lösungsvorschläge auf (siehe Alternativen).

  5. Beim Abwasserverband Obere Iller (AOI) fallen derzeit pro Jahr ca. 10.000 Tonnen Klärschlamm bei 30% Trockensubstanz (TS), bzw. ca. 3.300 Tonnen Klärschlamm bei 90% TS an. Beantragt wurden aber jährlich 8.130 Tonnen bei 90% TS. Das sind 150 Prozent mehr, als derzeit bei der Kläranlage Thanners anfallen. Nur Puffer oder weiterer Schlammtourismus?

  6. Zusätzlich sollen unter dem Deckmantel „Bio“ jährlich bis zu 68.000 Tonnen Holz aller (!) Schadstoffklassen verbrannt werden.

  7. Diese Holzmenge kann jährlich um bis zu 11.300 Tonnen Wald- und Holzhackschnitzel ersetzt werden – laut Antragsunterlagen allerdings nur „sofern vorhanden“. Unternehmerisches Ziel aber wird sein, so wenig Wald- und Holzhackschnitzel als möglich einzusetzen. Hackschnitzel nämlich müssen gekauft werden, während der Betreiber für jede Tonnen Altholz derzeit € 169,- kassieren kann.

  8. Somit macht der Klärschlamm, der der ganzen Anlage den Status Pilotprojekt und damit die staatliche Förderung von ca. € 6 Millionen beschert, nur etwa  4,4% vom maximal möglichen Brennstoffvolumen aus. Der Rest, also gut 95 Prozent oder anders gerechnet, die 20fache Menge, besteht aus Altholz aller Schadstoffklassen.

  9. Laut Holz-Zentralblatt Online (Ausgabe vom 30. Oktober 2002) entstehen in Deutschland  jährlich rund 3,5 Millionen Tonnen Altholz. Das ergibt umgerechnet pro Kopf jährlich 44 kg. Bei einer Einwohnerzahl von 288.300 im ZAK-Gebiet (Kreise Lindau, Kempten, Oberallgäu) macht das circa 12.600 Tonnen aus. Die mögliche Kapazität im bereits bestehenden Holzheizkraftwerk (HHKW) Kempten liegt bei  60.000 Tonnen, also dem 5fachen der zur Verfügung stehenden Holzmenge. Der Bau der geplanten Anlage in Thanners würde zu einer Überkapazität von Faktor 10 ergeben, die einen regelrechten Altholzimport aus weitem Umkreis ins südliche Oberallgäu erzwingen würde.

  10. Aufgrund des notwendigen Altholzimports und des sehr geringen Anteils an Klärschlamm, der vor Ort erzeugt wird (4,4 %), ist Thanners als Standort für die geplante Verbrennungsanlage schlichtweg falsch! Trotz der hohen Bezuschussung dieses Projektes durch öffentliche Gelder (Invest-Zuschuss von ca. € 6 Millionen, jährliche Stromeinspeisungsvergütung von ca. € 5,7 Millionen), sollten die wirtschaftlichen Interessen der Betreiber nur dort realisert werden, wo sie auch ökologisch sinnvoll sind. Nur dann kann eine Subventionspolitik auch von der Allgemeinheit getragen werden.

  11. Die dargestellte CO2 Billanz berücksichtigt die Anlieferung des Brennstoffes Holz in einer Grössenordnung von 756 Tonnen CO2 Ausstoß. Im Mittel dürfte hierbei der Bezug des Brennstoffes 20 km nicht überschreiten. Dies dürfte aber aufgrund der oben dargestellten Rohstoffknappheit illusorisch sein.
     
  12. Die Einsparung von klimaschädigendem CO2 bei der Stromherstellung aus nicht-fossiler Biomasse kann bei einer Ökobilanz nicht herangezogen werden, da diese Einsparung standortunabhängig ist.

  13. Der landschaftspflegerische Begleitplan vom Büro Janich stellt zum Schutzgut „Landschaftsbild“ fest: Keine negativen Veränderung, sondern lediglich eine Veränderung des lokalen Landschaftsbildes durch Erweiterung der bestehenden Kläranlage. Vorhandene Sichtbeziehungen werden laut diesem Gutachten nicht gestört.

  14. Die Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU) zeigt unter „9.3 Auswirkungen auf das Schutzgut Tiere und Pflanzen“ auf, dass der „Verlust des Auwaldes im Bereich der Zufahrt und unmittelbar angrenzend (...) einen dauerhaften Verlust von Lebensraum und damit auch starke Beeinträchtigungen für die hier ansässige Fauna“ bedeutet. Weiter heißt es in den Antragsunterlagen: „Betroffen hiervon sind insbesondere Insektenvorkommen des Unterwuchses und des Totholzes. Weiterhin ist die Fläche als Nahrungshabitat für einkehrende Tiere verloren (Vögel, Amphibien, Fledermäuse etc.) Aufgrund des vollständigen Funktionsverlustes werden auch diese Beeinträchtigungen als stark bewertet.“

  15. Die Umweltverträglichkeitsuntersuchung ( UVU) zeigt unter „10 Auswirkungen auf das Schutzgut Landschaftsbild“ auf 10 Seiten mit Fotobelegen immer nur Bildausschnitte vom Klärwerk und niemals die gesamte Landschaft. Es heißt, die Kläranlage bzw. auch der Standort für die geplante Verbrennungsanlage seien nur von Geländeerhöhungen bzw. aus nächster Entfernung sichtbar. Sprich: Aufgrund der Tallage aus allen Richtungen! Grundsätzlich wird zusammengefasst, dass das Schutzgut Landschaftsbild zwar eine hohe Bedeutung habe, insgesamt aber bereits eine Vorbelastung durch die Kläranlage vorliege. Wir ziehen den Umkehrschluß und fordern diese Vorbelastung vorab einzudämmen, so dass sich auch die Kläranlage beispielsweise durch gedeckte Farbgebung harmonisch ins Gelände einfügt und das Argument des bereits belasteten Landschaftsbildes damit nicht mehr gilt.

  16. Die Wetterdaten sind nicht vor Ort aufgenommen, sondern stammen aus einer Wetterstation in Oberstdorf. Diese können unmöglich für das Gebiet Thanners repräsentativ sein. Es ist also nicht geklärt und völlig offen, wo das Imissionsmaximum zu erwarten ist.

  17. Grundsätzlich sind die Klärwerkstechnik wie auch die Verbrennungstechnik längst bekannt. Die Kombination von „2 x alt“ macht scheinbar „1 x neu“ und berechtigt offenbar zu einer staatlich subventionierten Pilotanlage. Was berechtigt eigentlich dazu, dass die Anlage im Bezug auf die Förderfähigkeit (Entsorgung von Klärschlamm) erheblich überdimensioniert ist. Das riecht nach einer großen Mogelpackung!

  18. Für diese ca. € 6 Millionen Subventionen könnte man eine wirklich zukunftsweisende Pilotanlage zur Weiterverwendung von Klärschlamm (Dieselöl, Aktivkohle etc.) bauen. Bereits aus den Zinsen der Subvention könnte man einen solargetrockneten Klärschlamm jahrzehntelang ökologisch sinnvoll entsorgen. 

  19. In Kempten wird das Biomasse-Heizkraftwerk seinem Namen gerecht. Hier wird tatsächlich Biomasse verbrannt und damit Strom und Wärme erzeugt und letzteres bei 21 km Fernwärmenetz auch vernünftig ausgenutzt. Damit werden die zur Neige gehenden fossilen Energieträger geschont.

  20. Die geplante Anlage ist über zehn Prozent größer (!) als die bestehende in Kempten. Hier aber sorgt man sich schon heute um den erforderlichen Brennstoff. Der weitere Wettbewerb führt dazu, das Einzugsgebiet auf über 120 km Umkreis auszuweiten, wodurch die Kosten für den Bezug von Brennholz auch für das Kemptener Werk erhöht werden. Diese Mehrkosten können aber nicht auf die Fernwärmeabnehmer umgelegt werden. Sie können nur als Müllerhöhungsgebühr im ZAK-Gebiet zu Buche schlagen. Letztendlich zahlt also auch hier der Bürger die Rechnung!

  21. Ein Urlaubsdomizil soll jetzt Versuchskaninchen werden! Das Tor zum touristisch höchstsensiblen Oberallgäu wird durch einen 24-Stunden andauernden Rauch- und Schadstoffausstoß eingenebelt. Wie passen eigentlich Luftkurort und Schadstoffausstoß von ca. 50.000 m3/h zusammen? Wer kann hier eigentlich Restrisiken für die Auswirkungen auf den Tourismus übernehmen! Die Firma Wilhelm Geiger GmbH & Co. KG ? Der AOI? Die verantwortlichen Politiker etwa?

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Aktion Gesunde Umwelt Illertal e.v. - eMail: info@gesunde-umwelt-illertal.de